Abschiedsreden Jesu - Drei Bibelabende mit Pfarrer Dr. Rolf Sons

Vom 24. - 26. Februar 2015 hatte der Frauen-Bibelgesprächskreis zu drei Bibelabenden mit dem Rektor des Albrecht-Bengel-Hauses in Tübingen Pfr. Dr. Rolf Sons ins Gemeindehaus der Ev. Kirchengemeinde eingeladen. Gespannt erwarteten zahlreiche interessierte Besucher seine Ausführungen zum Thema der Abschiedsreden Jesu. Nach einer ersten musikalischen Begrüßung durch den Kirchenchor unter Leitung von Thomas Löw, folgte die persönliche Begrüßung des Referenten durch Pfarrer Ulrich Kopp. Anhand des 14. Kapitels aus dem Johannesevangelium, so Dr. Sons, wollen wir der Abschiedssituation für Jesu Jünger auf die Spur kommen. Drei Jahre waren sie mit ihm unterwegs gewesen und wissen nicht, was nun bald auf sie zukommen wird. Doch Jesus weiß es. Die Abschiedsreden, so Dr. Sons, sind ein Vermächtnis, auch für die Kirche. Jesus nimmt seine Jünger mit hinein. Nun stehen Kreuz und Auferstehung vor ihm. Seine Jünger können es noch nicht ermessen. Was sagt er ihnen? „Euer Herz erschrecke nicht.“ Wer kann so etwas sagen, fragte sich Dr. Sons? Nur, wer darüber steht. Dies sei kein billiger Trost; Jesus selbst sei es, der seinen Leidensweg antreten muss und die Todesangst kennt. Deshalb kann er seine Jünger ermutigen, indem er sie eindrücklich darauf hinweist: „Glaubt an Gott und glaubt an mich“ Damit rückt er sich in die Nähe des Vaters: „Wer mich sieht, der sieht den Vater!“ Er will seinen Jüngern deutlich machen

1. Es geht um den Platz beim Vater, den er bereitet.
2. Er selbst ist der Weg zum Vater.
3. Er, Jesus, ist ganz der Vater.
4. Jesus gibt ihnen Anteil an der Vollmacht des Vaters.


Hierzu meinte Referent Dr. Sons wörtlich: „Der Apostel Johannes entfaltet Jesus, die Wahrheit in Person, wie in Zwiebelschalen.“ So seien es auch hier verschiedene Schichten und es gehe immer tiefer. Auch wir, die Jesus nachfolgen, seien mit einbezogen.
Jesus bereitet einen Platz beim Vater. Er informiert seine Jünger klar und deutlich: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten.“ – Jesus geht, um seinen Jüngern eine Wohnung im Himmel einzurichten. Er erinnert daran, dass wir Menschen den Platz im Vaterhaus verloren haben durch den Ungehorsam des ersten Menschenpaares Adam und Eva. Deshalb mussten sie den Garten Eden, ihre himmlische Heimat verlassen und sich einen eigenen Platz, eine neue Heimat suchen, getrennt von Gott. Die seither verschlossene Tür zum Himmel, so Dr. Sons, kann nur von Jesus aufgeschlossen werden. Ermutigend meinte er, der Umzug in den Himmel werde jedoch für alle, die Jesus Christus ihr Leben übergeben haben, ein Freudenfest werden. Ihnen gelte sein Versprechen: „Ich will euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin.“ Das sei auch der Trost für die Angehörigen der erst kürzlich 21 ermordeten koptischen Christen durch die Isis.
Jesus ist der Weg zum Vater. Die Abschiedsreden deuten auf ein besonderes Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern. Dazu dürfen sie auch ihre ungelösten Fragen an ihn stellen. Zunächst Thomas: „Herr, wir wissen nicht wohin du gehst. Wie können wir den Weg wissen?“ An dieser Stelle fragte der Referent seine aufmerksamen Zuhörer: „Wissen wir den Weg? Wir brauchen Gewissheit!“ Jesus sagt von sich selbst: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Er schenkt Gewissheit. Gott baut nicht den Weg für uns Menschen, sondern dieser Weg muss uns offenbart werden, so Dr. Sons. Der Grund ist die Verlässlichkeit und Jesus das Fundament, der Eckstein und die Wahrheit in Person. Auf ihn dürfen wir getrost unser Leben bauen. Er allein ist der Weg zum Vater und der Ursprung allen Lebens. Die enge Beziehung zu Jesus, meinte Dr. Sons, das ist der Schlüssel, das ist der Weg. Ein schmaler Weg, exklusiv, einzigartig, nicht beliebig, mit enger Pforte, aber zutiefst seelsorgerlich. Wir werden nicht im Ungewissen zurück gelassen. Jesus sorgt für Klarheit.
Der 2. Bibelabend stand unter dem Thema: Jesus ist ganz der Vater! Die Begrüßung mit herzlichen Worten an den Referenten erfolgte diesmal durch Cordula Hummel; das sich anschließende gemeinsam gesungene Lied wurde von ihrem Gatten Hans-Peter Hummel am Klavier mit Schwung begleitet. Nach dem Eingangsgebet versuchte Dr. Sons aus dem 14. Kapitel des Johannesevangeliums auf den wahren Tröster, den Geist der Wahrheit hinzuweisen, den die Jesusjünger damals wie heute so dringend brauchen. Warum? Er meinte, wir alle sind trostbedürftig und brauchen Trost im Leben, wie im Sterben. Auf die Frage: Was tröstet mich? gab er zu bedenken, dass Jesus die Seinen nie als Waisen zurücklässt. Seiner Gemeinde schenkt er den Heiligen Geist, - er lässt sie nicht allein - ein exklusiver Trost, ein Tröster in Person, der bis in Ewigkeit bei den Seinen bleibt. Durch ihn können wir mutig unseren Glauben an Jesus Christus bekennen, weil der Heilige Geist auch als unser Beistand, Anwalt und Fürsprecher in uns ist. Gleichsam eine Liebesgabe Gottes, keine Schleudergabe, sondern Ausrüstung. Jesus bittet; der Vater sendet und der Heilige Geist bleibt. Hier werde die Trinität, die Dreieinigkeit, diese Liebesgemeinschaft sehr deutlich.
Der 3. Bibelabend stand unter dem Thema „Bei Jesus ein erfülltes Leben finden!“ (Joh. 15, 1 – 17) Mit einem musikalischen Posaunenstück vom Posaunenchor unter der Leitung von Tobias Scherer wurde zur Begrüßung übergeleitet. Die Leiterin des Bibelgesprächskreises Carin Gülland begrüßte alle Anwesenden, gab ein kurzes Feedback über die ersten 2 Abende und gab das Wort weiter an Dr. Sons. Nach kurzem Gebet meinte Dr. Sons, heute sei von Jesus, dem Weinstock die Rede. Der Weinbau sei schon 6000 Jahre v. Chr. in Persien betrieben worden. Auch der israelitische König Ahab habe alles darangesetzt, einen ganz bestimmten Weinberg, der einem andern gehörte, zu bekommen. Auf seine Frage, was für den Weinstock von größter Wichtigkeit sei, damit er gute Trauben hervorbringe, meinte er, dies seien die jeweils rechtzeitigen Schnitte, die an ihm vorgenommen werden müssen. Bei guter Pflege könne er gut 100 Jahre alt werden. Auch das Volk Israel werde in den Psalmen oft mit einem Weinstock verglichen. Jesus aber ist der wahre Weinstock, nicht versuchlich, an dem die Früchte der Liebe sichtbar sind. Auch in unserem Leben können gute Früchte wachsen, wenn wir mit diesem wahren Weinstock als beschnitte-ne, gesunde Reben tief verbunden seien und es bleiben. Zum Schluss sagte er: „Durch den festen An-schluss an Jesus, den wahren Weinstock, - die offene Tür, - den Weg zum Vaterhaus, haben wir Vollmacht im Beten und im Wirken.“