Hungern nach Gerechtigkeit

 

Erntebittgottesdienst auf dem Hof Schairer am 3. Juli

 

Am Sonntag ist die Kirchengemeinde der Landwirtschaft im wahrsten Sinn entgegengekommen. Denn zum ersten Mal feierten die evangelischen Christen Neckartenzlingens ihren traditionellen Erntebittgottesdienst auf einem richtigen Bauernhof. Die große Scheune auf dem Hof der Familie Schairer war dicht gefüllt, als der Posaunenchor unter der Leitung von Thomas Löw die Gemeinde einstimmte. Nach dem Willkommensgruß durch Pfarrer Ulrich Kopp erfüllte der Choral „Großer Gott wir loben dich“ Halle und Hof. Die Mühen um das tägliche Brot sowie die Abhängigkeit der Marktkräfte und die Bitte um das gedeihliche Wachsen standen im Mittelpunkt einer Sprechmotette, vorgetragen durch die Landfrauen Elfriede Schairer, Hanna Dolde, Ursula Spittlbauer und Frau Parzefall. „Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit“, unter dieses zentrale Jesuswort stellte Pfarrer Kopp seine Predigt. Er forderte eine angemessene Wertschätzung der Lebensmittel. Viele Erzeuger erführen ein tiefes Gefühl der Ungerechtigkeit für ihre Leistungen und Produkte. Dabei ging er auch auf den Hunger in der Welt ein. Er zeigte die Zusammenhänge auf, wie beispielsweise die Agrarsubventionen der Industrieländer Bauern in Afrika um ihre Existenz bringen, wenn billiges Gemüse unter landesüblichen Preisen auf die dortigen Märkte gelangt. Ulrich Kopp mahnte, „dass ich als Verbraucher, beim Einkaufen nicht nur meinen Geldbeutel im Blick habe, sondern auch die Situation der Leute, die dafür sorgen, dass Milch und Brot, Fleisch und Gemüse, Obst und Wein auf meinen Tisch kommen.“ In Gebeten und Gesang, so zum Schluss mit „Nun danket all und bringet Ehr“, richtete die Gemeinde ihr Danken und Bitten an ihren Schöpfer. Nach dem Gottesdienst ging man nicht auseinander. Den Landfrauen und Familie Schairer wurde Lob gezollt, nicht zuletzt auch für Getränke und Gebäck im Anschluss an den Gottesdienst. Ein geselliger Ständerling bei sonnigem Sonntagswetter bildete den Ausklang.

 

Eckhard Rahlenbeck