Kirchengemeinde mit Rückenwind

 

Volles Haus beim Gemeindeforum am 7. Oktober

 

„Kirche zeigt sich“ – unter diesem Motto stand am 7. Oktober das Gemeindeforum der evangelischen Kirchengemeinde in Neckartenzlingen. Neues wurde gewagt, das Gemeindehaus verwandelte sich erstmals in einen lebhaften Markt der Möglichkeiten. Zu einem Forum für bunte und vielfältige Kreise und Aktivitäten der Christinnen und Christen am Ort. Über 150 Besucher wurden mit Sekt und Saft willkommen geheißen. Sie erwartete an 39 Infoständen ein volles Besichtigungsprogramm. Das reichte von Jugendarbeit, Kirchenmusik, Bibel- und Seelsorgegruppen zu Seniorennachmittag und Krankenpflegeverein, von der Stillgruppe bis zum Einsatz der Feuerwehr beim Christbaumaufstellen. Zudem bot das Gemeindeforum eine Plattform für die Außensicht. Vier Repräsentanten waren extra eingeladen zu berichten, wie sie das Leben der Evangelischen Kirche am Ort wahrnehmen.

 

Den Anfang machte Pfarrer Volker Weber von der katholischen Kirchengemeinde. Weber konnte vielfältige Beispiele für eine gute Zusammenarbeit aufführen. Er erwähnte Projekte wie die „Spur der Erinnerung“ im Herbst 2009, das wöchentlich am Montagabend stattfindende Friedensgebet, gemeinsame Gottesdienste zu Schulanfang, Dorffest und besonderen Anlässen, den Weltgebetstag der Frauen, das gute besuchte regelmäßige Frauenfrühstück, ökumenische Kirchengemeinderatssitzungen sowie die Dienstgespräche mit Pfarrer Ulrich Kopp, die „stets unkompliziert, konstruktiv und kollegial“ verliefen. Weber verwies auf strukturelle Vorteile. Durch die zentrale Lage im Ortskern mit Martinskirche und Pfarrhaus sei die evangelische Kirchengemeinde präsenter als ihre katholische Schwester. Der evangelische Pfarrer könne, da er ausschließlich für Neckartenzlingen zuständig sei, „ortsbezogener und verwurzelter“ wirken als sein katholischer Amtskollege, der zehn weitere Gemeinden zu betreuen habe. Die evangelischen Christen, zahlenmäßig doppelt so groß wie die katholischen, prägten das örtliche Leben in vielfältiger Weise. Das mache sich beispielsweise in der Kinder- und Jugendarbeit bemerkbar. Andererseits führen aber auch evangelische Kinder mit aufs Sommer-Zeltlager und beteiligten sich bei der jährlichen Sternsingeraktion. Es blieben Wünsche für ein ökumenisches Zusammenleben am Ort. Als katholische Diasporagemeinde fühlten sich die katholischen Christen nicht nur zahlenmäßig als ungleiche, schwächere Partner, so Pfarrer Volker Weber. Sie hofften auf mehr Kompromissbereitschaft und ein größeres Interesse an der katholischen Kirchengemeinde und ihrer Angebote.

 

Kirche als die Oase der Stille in hektischen Zeiten, das ist für Achim Sippel ein wesentliches Merkmal. Der Schulleiter der Realschule lobte die Gottesdienste zum Schuljahresbeginn. Sie vermittelten den Schülern Wege zur inneren Ruhe und Geborgenheit, gäben wertvolle Impulse für die Persönlichkeitsentwicklung. Sippel wünschte sich eine stärkere Vernetzung der Schulen mit der kirchlichen Jugendarbeit. Die ehrenamtlichen Pausenpaten hätten sich bewährt. Das jährliche Essen der Kirchengemeinderäte mit den Religionslehrern würde sehr geschätzt. Das Gymnasium mache dankbar von dem Angebot Gebrauch, Konzerte in der evangelischen wie auch der katholischen Kirche aufführen zu können.

 

Für die Ortsvereine sprach Werner Gut. Er begrüßte es, dass die Kirchengemeinde im Vereinsausschuss vertreten sei. Sie bringe einen anderen Blick mit ein, trage zu ganzheitlichen Betrachtungen bei und mache dadurch die Ausschussarbeit erst richtig „rund“. Werner Gut sieht eine Gemeinde, die weitgehend intakt sei: „Sie steht in Kontakt mit den Menschen und sie steht mit ihrem Wirken mitten im Leben. Sie erfüllt wichtige mitmenschliche und soziale Aufgaben.“ Sie habe einen Pfarrer, der sich auch im Rahmen der Feuerwehr aktiv für alle Mitbürger einbringt, die Leid erfahren haben. Besonderes Lob zollte Werner Gut der Erwachsenenbildung, die hochaktuell „Hilfe und Orientierung zu wichtigen Fragen des Lebens und des gesellschaftlichen Lebens“ anbiete.

 

Bürgermeister Herbert Krüger würdigte die Zusammenarbeit der Kirchen am Ort. Die Ökumene, so wünschte er, solle auch die orthodoxen Christen mit einbeziehen. In den Initiativen der Jugendarbeit sieht Krüger gute Möglichkeiten einer verstärkten Kooperation. Die Angebote für Kinder und Jugendliche von Kirche und bürgerlicher Gemeinde sollten besser vernetzt werden und verstärkt der Wertevermittlung dienen. Er forderte, dabei demokratische Rechte und demokratisches Leben in der jungen Generation zu verankern. Der Bürgermeister bat die Kirchengemeinde zu prüfen, wie sie sich bei einem drängenden Zukunftsthema einbringen könnte. Es geht um das sogenannte U3, die Kinderbetreuung für alle Kinder bis zu drei Jahren, die bundesweit mit Beginn des Kindergartenjahres 2013/2014 eingeführt werden muss.

 

Das Gemeindeforum bildete den Auftakt zu einer Visitation der Kirchengemeinde, die Dekan Michael Waldmann zusammen mit Schuldekanin Renate Schullehner in den kommenden Monaten durchführt. Dekan Waldmann zeigte sich zum Abschluss begeistert: „Wer diese Gemeinde sieht, darf dankbar sein, dass die Hände gefüllt sind. Ich fahre heute mit Rückenwind nach Hause. Einem Rückenwind, der begeistert, weil er vom Geist Gottes begleitet wird.“

 

ER / 111009