„Brücken wahrnehmen im Leben“ – drei Stunden in der Martinskirche

„Brücken schlagen“, „Brücken tragen“ und „über Brücken gehen“ – das waren die Themen der einzelnen Stunden beim diesjährigen Nachtklang. Ihre Bedeutung wurde durch gelesene Texte, Lieder und Aktionen anschaulich.

„Brücken schlagen“

Um „Brücken schlagen“ ging es bei der Aktion in der ersten Stunde. Klingende Brücken entstanden zwischen den gezupften Monocordtönen auf beiden Seiten des Kirchenschiffs und dem gestrichenen Klang der langen, wie eine Brücke von der Empore zur Kanzel gespannten Saite. Wenn wir Brücken schlagen und aufeinander hören, wenn wir „Klangbrücken“ schlagen, entsteht ein Gesamtklang, entsteht Gemeinschaft, die stark macht.  

 

„Brücken tragen“ wurde in der Aktion der zweiten Stunde erlebbar. Aus labilem, leichtem Material, langen Papierstreifen, stellten die Besucher viele stabile Brückenteile her. Nebeneinander gelegt wurde daraus eine Brücke. Sie war so stabil, dass jedes ihrer Kompartimente, so leicht gebaut sie auch war, je eine schwere brennende Kerze tragen konnte. „Profilierung bringt Stabilität“. Das war eine überraschende Erkenntnis und zugleich ein Sinnbild dafür, dass Glauben und Vertrauen uns stabil machen können in den Stürmen des Lebens. Und dass wir so zu Brücken für andere werden können.  

„Brücken tragen“


Wie jedes Mal ist es immer wieder ein besonderes Erlebnis. Es tut einfach gut, wie man zur Ruhe finden kann, wenn man sich auf die Themen einlässt. Klangerlebnis, Brücken bauen und Schlussrunde, alles super.|Der Nachtklang hat uns sehr gut gefallen, wir konnten uns richtig entspannen und abschalten vom Alltag.
Die Abwechslung von den einzelnen Elementen: Glockenschlag, Schweigen, Mu-sik, Texte, Geschichte, Lieder, persönliche Aktivitäten, hat mir sehr gefallen.
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„Über Brücken gehen“: Im Chor saß der Kreis der Teilnehmer. Vier Kugeln aus Wachs wanderten im Kreis von Hand zu Hand. Jeder veränderte die Kugelform mit wenigen Model-lierbewegungen, indem er auf die entstandene Form reagierte. Am En-de des Kreises angekommen, war aus der der Kugel eine neue Form geworden. Über vier Brücken konnte man mit den Augen gehen und der Veränderung der Kugel nachspüren. In diesem Gang der Kugeln sind wir über Brücken gegangen, indem wir aufeinander geachtet und die Form des Nachbarn akzeptiert haben – ein Impuls für achtsames, friedliches Zusammenleben.

  

Die Stunden des Nachtklangs waren für alle Beteiligten eindrucksvoll. Davon zeugen schriftliche Äußerungen von Besuchern in den eingefügten Tabellen.  

 

Erika und Helmuth Kern

aus dem Gemeindebrief Herbst 2010

„Über Brücken gehen“

   
Perfekt geplant – im warmen Raum:
Die Zeit vergeht, man merkt es kaum!

Im Singen, Staunen, Meditieren,
Beim Saiten Schwingen, Musizieren -
So klingt der Klang in dieser Nacht.
Ein kleines Wunder ist vollbracht!

Was Kirche ist, geht klar hervor.
Die Kunst – sie öffnet hier das Tor.
Gemeinsam stark – durch der Liebe Band.
Das haben wir an der Brücke aus Papier erkannt.

Ja, Nachtklang 2010 – echt eine Wucht.
Ein solcher Event seinesgleichen sucht!
Brücken bauen mit Nachtklang,
Gemeinschaft haben und Stille haben,
beides passt zusammen und tut gut.
 
Vor einigen Monaten nahmen wir an einem Referat der Gedenkstätte Grafeneck im Zuge der Erwachsenenbildung im Gemeindehaus teil. Dabei entstand in mir der Wunsch, mir diese geschichtsträchtige „Einrichtung“ einmal anzuschauen. Vor Kurzem habe ich es dann geschafft und war erstaunt: Schnell waren die Überreste und Erinnerungen an die Gräueltaten besichtigt, und etwas anderes rückte für mich in den Vordergrund: Die Samariterstiftung betreibt dort oben noch immer eine Wohnanlage für Behinderte. Keine paar Minuten konnte ich mich diesen Menschen entziehen und habe mich auch bald auf Kontakte eingelassen. Da erkannte ich wieder einmal, wie wichtig Vergangenheitsbewältigung ist, jedoch darf man darüber die Gegen-wart nicht vergessen. Das war meine Brücke vom „Gestern“ ins „Heute“.