„Franz von Assisi – eine Begegnung“

Die Franziskanerin Sr. Liberata Meiselbach

In Rom weht seit einiger Zeit ein frischer Wind durch den Vatikan. Dahinter steht der Reformkurs des neuen Papstes, der sich den Namen Franziskus gegeben hat. Welche Aussage steckt hinter dieser Namensgebung und welche Bedeutung hat Franz von Assisi (1181 oder 1182-1226) für uns Christen in der heutigen Zeit? Diese Fragen veranlassten den TiG-Arbeitskreis eine Veranstaltung zu diesem Thema vorzubereiten. Mit Schwester Liberata stellte sich eine franziskanische Ordensfrau zur Verfügung, die es als pensionierte Lehrerin auch gewohnt ist, Wissen zu vermitteln.

 

Der Lebenslauf des heiligen Franziskus bildete den roten Faden des Abends. An entscheidenden Wegpunkten seiner Vita wurden die wesentlichen Überzeugungen deutlich. Diese wurden später Teil der Regeln des Bettelordens.

Franziskus wird auch nachgesagt, dass er eine Rolle als Reformator der Kirche spielte. Nach seinen eigenen Erfahrungen mit Leid und Gefangenschaft im Krieg zwischen Perugia und Assisi hatte er der Überlieferung zufolge eine Begegnung am Kreuz von San Damiano „Franziskus, geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall gerät.“ Das war nicht nur auf die Gotteshäuser bezogen, die er danach renovierte. Später versuchte er mit seinem Lebensweg unheilvolle Strukturen in Gesellschaft und Kirche aufzubrechen.
Die Anerkennung als Ordensgemeinschaft war für Franziskus und seine Gefährten nicht einfach. Erst 1223 bestätigte der damalige Papst endgültig die Ordensregeln. „Wer in der Kirche etwas verändern will, muss leiden“, war die  ist die Quintessenz, die Sr. Liberata aus dieser Auseinandersetzung zog.

Auch Klara, eine adelige junge Frau aus Assisi ließ sich von den Idealen des Franziskus begeistern und gründete in Assisi einen Frauenorden nach seinem Vorbild. Sehr selbstbewusst und überzeugend scharte sie sehr schnell mehrere Mitschwestern um sich.

Natürlich wurden auch die Besonderheiten des heutigen Ordenslebens diskutiert. Was fasziniert an diesem Leben in materieller Armut und geistlicher Freiheit? „Gelebte Armut ist und bleibt ein lebenslanger Stachel“ so das Fazit von Schwester Liberata.

Wie die Kirche mit dem Erbe von Franziskus umgegangen ist, wäre noch eine spannende weiterführende Frage.

Warum fasziniert Franziskus uns heutige Menschen?
Er war ein heiterer, lebensfroher Mensch, der radikal aus seinem oberflächlichen Leben ausstieg, aber von vielen seiner Zeitgenossen abgelehnt wurde. Seine Umkehr zu Jesus Christus äußerte sich in seiner selbstlosen Nächstenliebe. Er beschäftigte sich mit den Grundfragen der Existenz und hielt Zwiesprache mit der Natur und mit Gott. Die Achtung und Lobpreisung der Schöpfung Gottes fand Ausdruck in seiner Vogelpredigt und im Sonnengesang, der als Weltliteratur gilt und auf Altitalienisch geschrieben ist.

Franziskus sah den Menschen als Ebenbild Gottes mit Leib und Seele. Und so ging er mit den Menschen und auch den Tieren, mit der ganzen Natur um, immer achtsam, Gottes Schöpfung bewahrend.

Rose und Bernd Kärcher