„Geistliche Spannungen“ – Drei Bibelabende mit Dietmar Kamlah

Der Posaunenchor unter Leitung von Tobias Scherer erntete viel Beifall für seinen musikalischen Vortrag.

Der Bibelgesprächskreis für Frauen der evangelischen Kirchengemeinde Neckartenzlingen unter Leitung von Carin Gülland hatte mit Dietmar Kamlah den Vorsitzenden des Süddeutschen Gemeinschaftsverbandes vom 14.02.-16.02. zu drei Bibelabenden ins evang. Gemeindehaus eingeladen.

Unter dem herausfordernden Titel „Geistliche Spannungen referierte der gebürtige Pfälzer Dietmar Kamlah über drei zentrale biblische Botschaften. Ausgehend von drei biblischen Textabschnitten zeigte er eindrücklich auf, wie die Bibel verschiedene geistliche Spannungsfelder aufgreift, denen wir alle im Alltag ausgesetzt sind. Nach Eröffnung durch Carin Gülland und einem musikalischen Beitrag des Kirchenchors unter der Leitung von Marius Sauter erklärte Dietmar Kamlah am 1. Abend anhand der Begriffe „Betriebssysteme“, „Schnittstellen“ und „kompatibel“, dass sich auch im Glauben zwangsläufig Spannungen ergeben, wenn man versucht „geistliche Programme auf ungeistlichen Betriebssystemen“ ablaufen zu lassen. „Das kann nicht gut gehen - passt nicht zusammen - ist nicht kompatibel“, so Dietmar Kamlah. Nach dieser für manche Zuhörer etwas ungewohnten Hinführung führte der Referent weiter aus, wie dies auch die zentrale Botschaft des Propheten Jeremia war, als er mit seiner Rede am Tor des Tempels (Jeremia 7,1-11) alle Tempelbesucher im Namen Gottes auf offensichtliche Missstände zwischen ihrem hochgeistlichen Tempelgottesdienst und ihrem ungeistlichen Leben im Alltag hinzuweisen hatte. Dietmar Kamlah wies darauf hin, dass es auch für uns Christen heute darum gehen muss, diese geistlichen Spannungen zwischen Sonntagsglaube und Alltagswirklichkeit aufzulösen. In Anlehnung an das Bild des PC meinte er wörtlich: „Um das ungeistliche Betriebssystem loszuwerden, brauchen wir eine völlige Neuformatierung unserer Festplatte - nur so kann aus Selbstsucht eine selbstlose Liebe, aus Egoismus eine aufrichtige Barmherzigkeit und aus Streit ehrliche Versöhnung werden“. Da wir Menschen jedoch unfähig seien, diese Spannungen zu überwinden, biete Gott uns an, durch den Glauben an Jesus Christus und die Gabe seines Heiligen Geistes ein neues Betriebssystem ins Herz zu bekommen, so Kamlah. Das Kreuz von Golgatha stehe gerade deshalb draußen vor dem Tempel und draußen vor der heiligen Stadt Jerusalem - als Zeichen dafür, dass Gott in diesem Kreuz eine neue Schnittstelle zwischen Mensch und Gott mitten im profanen Alltag eingerichtet habe.
Der zweite Bibelabend wurde vom Gemeinschaftspastor Thomas Kurz eröffnet, der im Oktober 2016 eine dreijährige Projektstelle des Süddeutschen Gemeinschaftsverbandes zur Neugründung einer Gemeinschaftsarbeit in Neckartenzlingen begonnen hat. Dem Referat des zweiten Bibelabends zum Thema „Geistliche Schätze in menschlicher Zerbrechlichkeit“ lag der Bibeltext aus 2. Korinther 4,7-10 zugrunde, in dem Paulus im ersten Vers über den Schatz des Glaubens an Jesus Christus sagt: „Diesen Schatz tragen wir aber in zerbrechlichen Tongefäßen, wie wir es sind, damit deutlich wird, dass die alles überragende Kraft von Gott stammt und nicht von uns.“ Dietmar Kamlah führte, ausgehend von diesem Abschnitt, eindrucksvoll und mit persönlichen Erlebnissen angereichert aus, wie sich viele Menschen (auch Christen) schwer damit tun, Leiden und Zerbrechlichkeit bei sich und anderen anzunehmen. Doch wie der Apostel Paulus erkannten viele nach ihm, dass erst ein leidgeprüfter Glaube ein standhafter und somit letztlich ein heilbringender Glaube sei. Anhand von zwei Geschichten des Propheten Jeremia und von Gideon zeigte Kamlah auf, dass sich das Bild des Schatzes im zerbrechlichen Tongefäß schon im Alten Testament findet und erst durch die Zerbrechlichkeit der „Schatz“ hervorleuchte.
Der dritte Bibelabend wurde mit einem Musikstück des Posaunenchores unter Leitung von Tobias Scherer eröffnet. Mit dem Abschlussthema „Geistliche Perspektiven statt Utopien oder Resignation“ ging Dietmar Kamlah, ausgehend von der Rede des Propheten Jeremia (Kap. 29), auf ein weiteres geistliches Spannungsfeld ein. Die Weltgeschichte, so Kamlah, sei voll von Beispielen, in denen Menschen unwirklichen Utopien nachgegangen seien. Jeremia soll sein Volk vor diesem drohenden Schicksal bewahren, indem er (entgegen der Utopien anderer Lügenpropheten) den wahren Plan Gottes für die noch 70 Jahre andauernde Exilzeit offenbart und den Auftrag gibt: „Bemüht euch um das Wohl der Stadt, in die ich euch verbannt habe, und betet für sie zum HERRN! Denn wenn es ihr gut geht, geht es euch gut. (Jeremia 29,7) Da auch wir Christen Fremdlinge auf Erden sind, deren wahre Heimat im Himmel ist (so Paulus in Phil 3,20), gilt dieser Auftrag des Jeremia auch uns Christen heute, sagte der Referent abschließend: „Bemüht auch ihr Euch um das Wohl, den Frieden und das Heil (den umfassenden Schalom) eurer Heimat hier in Neckartenzlingen!“

Zum Abschluss der Bibelabende bedankte sich Carin Gülland ganz herzlich bei Dietmar Kamlah für seinen guten und geistlich spannenden Dienst, verbunden mit einem kleinen Geschenk, wie auch bei allen Besuchern und Mitwirkenden.

M. Hassan