Dendrochronologische Untersuchung ergibt neue Datierung der spätgotischen Martinskirche

 

Die Zahl 1518 am Turm der Martinskirche stand bislang für das Fertigstellungsjahr des Kirchenbaus. Doch dies gilt allein für den Turm. Schon 31 Jahre zuvor, 1487, war das Langhaus der Kirche bereits fertiggestellt und am Martinstag, dem 11. November im selben Jahr, geweiht worden.

Dieses überraschende Ergebnis teilte am 29.11.2012 Tilmann Marstaller, MA (Büro für Archäologie und Bauforschung, Rottenburg-Oberndorf), der mit der Untersuchung beauftragt ist, Prof.a.D. Helmuth Kern vorab mit. Helmuth und Erika Kern, seit langen mit der Baugeschichte der Kirche befasst, hatten sich im Zusammenhang mit der Innenrenovierung der Martinskirche sehr dafür eingesetzt, eine dendrochronologische Datierung des Dachstuhls zu veranlassen. Der finanzielle Freiraum dafür wurde durch Beiträge der Kommune, der Interessengemeinschaft Neckartenzlinger Ortsgeschichte e.V. und von privater Seite gesichert. Auftraggeber war die evangelische Kirchengemeinde.

„Das vorläufige amtliche Endergebnis der Probenziehung vom 13.11., zwei Tage nach St. Martin !!!“ wie Tilmann Marstaller schreibt, ergab folgendes Ergebnis: Das Holz für den Turm stammt aus der Winterfällung 1517/18. Die Eichen für den Chordachstuhl stammen aus der Winterfällung 1485/1486. Von den drei Holzproben im Langhaus stammen zwei von Fichten aus der Winterfällung 1485/86. Bei diesen handelt es sich um geflößtes Holz, das auf dem Wasserweg nach Neckartenzlingen kam. Eine Probe eines Eichenbalkens ergab dessen Winterfällung 1486/87. Somit war nach Marstaller der Kirchenbau 1487 vollendet.

Marstaller geht davon aus, dass nach der Fertigstellung des Chores 1486 ein Planwechsel stattgefunden hat und ein längeres und breiteres Langhaus errichtet wurde. Befunde im Dachstuhl des Langhauses und die Verwendung von geflößtem Nadelholz, mit dem eine größere Spannweite möglich war, sprechen seiner Meinung nach dafür.

Damit konnte überraschenderweise zur Wiedereröffnung der Martinskirche am Ersten Advent, dem 2. Dezember 2012, auch ihr 525. Jubiläum mitgefeiert werden.

Helmuth Kern 4. Dez. 2012

Die Martinskirche

  • Erste urkundliche Erwähnung
    der Kirche 1275
  • Baubeginn des heute sichtbaren
    Gotteshauses nach 1500
  • Fertigstellung
    mit Kirchturm 1518
  • Sehenswerte Ausstattung
    vor allem im Chorraum
  • 1598 illusionistische Malerei
    an Chorbogen und Fenstern
  • 1735 Erneuerung der
    Kassettendecke
  • 1963 Farbfenster von
    Rudolf Yelin für den Chor
  • Letzte umfassende
    Restaurierung 1969
  • Umfassende Innenrenovierung 2012

Innenansichten

Innenansichten vor der Innenrenovierung

Schlussstein im Chor