Lebendige Geschichte der Martinskirche

Am Sonntag 22. April lud die Evangelische Kirchengemeinde Neckartenzlingen zu einem von Kirchenchor und Posaunenchor feierlich umrahmten Festakt zum 500. Jubiläum der Fertigstellung der Martinskirche ein.
Nach Grußworten des Nürtinger Dekans Michael Waldmann, des katholischen Pfarrers Volker Weber sowie der Bürgermeisterin Melanie Gollert, in denen die große Bedeutung sowohl des Kirchenbaus als auch der Institution Kirche für Neckartenzlingen aus verschiedenen Blickrichtungen beleuchtet wurde, folgte der Festvortrag des Landeskirchlichen Beauftragten für die württembergische Kirchengeschichte, Pfarrer Dr. Wolfgang Schöllkopf.
„Mit 100 Sachen durch die Geschichte der Martinskirche“ lautete der Titel, und entsprechend schwungvoll nahm Dr. Schöllkopf die zahlreichen Gäste mit auf eine spannende Reise durch die fünf Jahrhunderte, die seit der Vollendung des Kirchturms als letztem Akt der Bautätigkeit vergangen waren.
Fast eine Stunde lang sprudelte der Referent nur so über von Ereignissen im Ort und in der großen Welt, von Pfarrersnamen, ihren Karrieren und Schicksalen und von zahllosen teils erheiternden, teils aber auch tragischen Anekdoten und Berichten aus 500 Jahren Neckartenzlinger und auch Württembergischer Kirchengeschichte. Sein großes Fachwissen, gepaart mit immer wieder aufblitzendem schwäbischem Humor, malte ein lebendiges Bild der vergangenen Zeiten mit beachtenswerten Bezügen zur Gegenwart und sorgte damit für etliche Lacher, aber auch für ungeteilte Aufmerksamkeit unter den Zuhörern. So führte er aus, dass angeschlagene Zentralmächte, wie es im ausgehenden Mittelalter das Kaisertum war, gefährlich werden können. Nicht nur zur Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges stellte er fest, man könne zwar Sieger in einem Krieg sein und trotzdem nichts gewonnen haben. Lang anhaltender Beifall und der herzliche Dank von Pfarrer Kopp waren der verdiente Lohn für diesen außergewöhnlichen Vortrag.
Der anschließende Ständerling vor der Martinskirche wurde zu einem Ort langanhaltenden und lebhaften Austausches über das Gehörte, und die Kirchengemeinde zeigte sich auch nach einem halben Jahrtausend noch voller Leben und im Ort verwurzelt.
H.-J. Schmid/U. Kopp