Musik aus fünf Jahrhunderten

Am 30. September fand in der bis auf den letzten Platz gefüllten Martinskirche anlässlich ihres 500. Geburtstags ein festliches Konzert statt, an dem alle musiktreibenden Chöre und Ensembles Neckartenzlingens mitwirkten.

Entsprechend dem Motto „Musik aus fünf Jahrhunderten“ war der Abend in fünf Blöcke gegliedert, in denen Kompositionen aus der jeweiligen Zeit oder in deren Stil erklangen.

Der Kirchenhistoriker Pfarrer Dr. Wolfgang Schöllkopf glänzte in seinen einführenden und begleitenden Worten zu jedem Jahrhundert  wieder mit fundiertem Fachwissen, Kenntnis von örtlichen Anekdoten und Persönlichkeiten und vor allem mit einem wohldosiert und punktgenau eingesetzten schwäbischen Humor.

Passend zur Eröffnung intonierte der evangelische Posaunenchor eine prächtige Intrada von Melchior Franck, ehe der katholische Kirchenchor klangstark und doch immer transparent zwei Werke von Melchior Vulpius und Giovanni Ottavio Pitoni in lateinischer Sprache vortrug.

Durch die Reformation hielt die deutsche Sprache Einzug in die Kirchenmusik. Mit dem „Deutschen Gloria“ von Heinrich Schütz zeigte sich der evangelische Kirchenchor wieder einmal hochkonzentriert und stimmlich auf der Höhe. Barocke Pracht bot danach der Posaunenchor  von der Empore mit dem „Trumpet Voluntary“ des Briten Jeremiah Clarke. Den Abschluss bildete eine „verswingte“ Air von Händel, von der Chorwerkstatt mitreißend vorgetragen.

Mit einem der größten Komponisten des 18. Jahrhunderts, Ludwig van Beethoven, starteten die Sonntagsmänner: „Die Ehre Gottes aus der Natur“ forderte ihnen ihr ganzes Können ab, ehe sie mit einer alpenländisch angehauchten Version von „Großer Gott wir loben Dich“ etwas verspielter fortfuhren. Alle Sängerinnen und Sänger der Schönrainchöre zusammen füllten dann das Kirchenschiff mit der Komposition „Groß ist der Herr“ des bekanntesten Bachsohns Carl Philipp Emanuel. Der Gospelchor beschloss mit dem weltbekannten „Amazing Grace“ den vokalen Teil. Der Musikverein spielte abschließend mit einem sehr getragenen Satz von Händel und danach der beschwingten Ouvertüre von Mozarts „Hochzeit des Figaro“ zwei äußerst gegensätzliche Instrumentalwerke dieser Epoche.

Die beiden Kirchenchöre widmeten sich der Zeit der Romantik. Der evangelische Chor arbeitete in Max Regers „Dein, o Herr ist die Kraft“ die Wechsel in der Dynamik sehr schön heraus, und die katholischen Sängerinnen und Sänger ließen das „Gegrüßet Maria“ von Johannes Brahms in romantischer Schönheit erklingen.

Sie eröffneten auch gleich den Schlussteil mit Stücken der letzten einhundert Jahre. Edward Elgars „Ave verum“ ließ nochmals späte Romantik anklingen, ehe die Chorwerkstatt mit Adaptionen zweier Popsongs, „Fix you“ von Coldplay und dem Bond-Titelsong „Skyfall“ einen schwung- und klangvollen Schlusspunkt setzte.

Der Dank für diesen sehr gelungenen Konzertabend tönte zunächst aus den Kehlen aller Anwesenden mit dem Schlusslied „Nun danket alle Gott“, aber auch in unzähligen und langen Gesprächen bei dem anschließenden Ständerling in und um die Kirche.
Hajo Schmid

 

 

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