Kleiner Rahmen für den Abschied

v.l.n.r: Pfarrer Markus Lautenschlager, stellvertretender Dekan, Angelika Kopp, Pfarrer i.R. Ulrich Kopp - Bild Helmuth Kern

Am Sonntag 25. April 2021, dem Sonntag Jubilate, wurde Pfarrer Ulrich Kopp nach fast 17 Jahren Dienst in der Martinskirche in Neckartenzlingen im kleinen Kreis von seinem Amt durch den stellvertretenden Dekan Markus Lautenschlager entpflichtet und in den Ruhestand verabschiedet.

Am 26. April 2020 hätte die Entpflichtung und die Verabschiedung in den Ruhestand im großen Rahmen begangen werden sollen. Doch die beginnende Coronapandemie ließ das nicht zu. „Wir haben Deinen Abschied verschoben um ein Jahr, weil wir ihn groß feiern wollten, und feiern wir ihn jetzt doch klein. Aber vielleicht mit großer Dankbarkeit, so denke ich auf jeden Fall und einer eher stillen Freude.“ sagte treffend der stellvertretende Dekan.

Den Gottesdienst gestaltete musikalisch ein reduzierter Kirchenchor. Dem Sonntag Jubilate entsprechend erklang das „Jubilate Deo“ (Jauchze, Erd‘ und Himmel), im Lied zur Jahreslosung wurde die Liebe und das Wunder der Barmherzigkeit besungen. Jubel und Dank für die Schönheit der Schöpfung im bekannten „Wie lieblich ist der Maien“, sinnig das „Zieht in Frieden eure Pfade“ und das freudige „Nun danket alle Gott“. Am Ende Luthers Bitte „Verleih uns Frieden gnädiglich.“

In seiner Predigt zur Apostelgeschichte (17,22-34) machte Ulrich Kopp deutlich, dass bereits im alten Athen die Menschen spürten – Paulus erzählte auf dem Marktplatz–von seinem Gott – dass Handel und Geselligkeit, Familie und Religiosität, Schulbildung und Sport nicht alles sein konnten. Dass es darüber hinaus etwas geben müsse, was Halt, Hoffnung und Freiheit verheiße: das Prinzip Vergebung und die Perspektive Auferstehung. „Gott lässt uns wissen, dass die Scherben, die wir anrichten, uns nicht unsere Zukunft verbauen können, sondern dass uns seine Vergebung in die Freiheit führt.“ Und dann: “Ich bin nicht Paulus. Und Neckartenzlingen ist nicht Athen. Dass ich wie er auf dem Marktplatz, in den Häusern, auf den Straßen Leute getroffen habe, die offene Ohren für mich hatten, dafür bin ich dankbar.“ Dankbar sei er auch, wenn er „hier und da ein paar Tropfen Hoffnung in die Herzen habe geben können, dankbar, wenn durch den Glauben an Gottes Versöhnung ein paar Samenkörner Gottvertrauen in die Seelen gefallen seien“, dankbar für ein trotz allen Stückwerks gelingendes Leben, „das – auch wenn wir gehen müssen – bei Gott geborgen ist und am Ende in die Auferstehung mündet.“ Eine kurze, prägnante, eindringliche Predigt.

Markus Lautenschlager würdigte Kopp in seiner Ansprache zur Entpflichtung. Er habe ihn als ein seltenes Kleinod kennengelernt, habe ihn erlebt als einen, der von Gott etwas erhofft habe, der gerungen habe um das wahre Wort, das die Menschen erreicht. Er zitierte aus dem Gemeindebrief vom Frühjahr 2020, in dem Wegbegleiter Ulrich Kopp mit vielen herzlichen Grüßen überraschten, hob seine Qualitäten in Seelsorge, Geschäftsführung und Ökumene hervor. Große Bau-Aufgaben waren die Teilrenovierung der Kirchhofsmauer, die Innenrenovierung der Martinskirche und die Neugestaltung des Kirchhofs. Wichtig sei ihm die Kirche im Dorf gewesen: in der Kommune, bei der Freiwilligen Feuerwehr. Als Notfallseelsorger und als Religionslehrer habe er gewirkt, er habe den Sportlergottesdienst ins Leben gerufen und er habe seinen Dienst in großer Treue getan.

Anhand von Versen des Hebräerbriefs (Kapitel 12, Vers 3) thematisierte Lautenschlager das Wechselverhältnis von Gemeinde und Gemeindeleiter: Aufmerksamkeit sei die Aufgabe des Pfarrers als Hüter der Gemeinde, achtsames und durch Offenheit gekennzeichnetes Zuhören diejenige der Gemeinde.

Es folgte die sog. Entpflichtung. In diesem kirchlichen Akt wurde Ulrich Kopp von seinem Auftrag als Pfarrer in Neckartenzlingen und von allen damit verbundenen Aufgaben und Pflichten entbunden und in die Freiheit entlassen. In den folgenden Dank bezog Lautenschlager auch die Familie ein; ein beziehungsreiches Buchgeschenk und ein Blumenstrauß waren äußere Zeichen dafür.

Vier kurze Gruß- und Dankesworte folgten. Für die bürgerliche Gemeinde sprach Bürgermeisterin Melanie Braun. Sie schätzte besonders die Nähe zwischen Kirche und Kommune und das immer offene Ohr des Pfarrers und überreichte ein Holzalbum zur Erinnerung mit Beiträgen von Gemeinderat, Verwaltung, Kindergärten und Feuerwehr. Pfarrerin Christina Hirt sprach für den Kirchendistrikt. Dessen Geschenk zur ursprünglich geplanten Verabschiedung, das Apfelbäumchen, blühe wohl bereits. Hirt thematisierte die Freiheit im Ruhestand, legte kurz und prägnant „Segne unser Tun und Lassen“ aus. Auch das Lassen könne Freude bereiten.

Ralf Breisch sprach für die Neckartenzlinger Vereine Dank aus; offen sei Pfarrer Kopp damals für die Idee eines Sportlergottesdienstes in der Rundsporthalle gewesen. Auch die Vorsitzende Heike Seyboldt-Schmid betonte die Dankbarkeit der Kirchengemeinde. Eine „extradesignte Ermstaluhr“ für die neue Zeit, die eine gute werden möge, für Ulrich Kopp. Angelika Kopp erhielt für ihr vielfältiges Engagement und ihre Seniorenarbeit einen großen Blumenstrauß und die ganze Familie weiche Kissen für einen warmen kuscheligen Lieblingsplatz.

Für die die Anerkennung, die Würdigung und die Gaben zum Abschied bedankte Kopp sich seinerseits. Abschiednehmen fiele ihm immer noch schwer, er spüre Wehmut. Der Gottesdienst habe wieder gezeigt, dass „wir allen Grund haben, dankbar zu sein für die gemeinsame Zeit in Neckartenzlingen“. Und dann bekamen alle, die den Gottesdienst mitgestaltet hatten, eine Rose – eine schöne Dankesgeste.

Helmuth Kern


Hier geht es zur Live-Übertragung auf dem Youtube-Kanal der Gemeinde.